“Hilfe, mein Pferd schubbert sich” – das “Schubbern” (Teil 1)

Das Frühjahr kommt und für viele beginnt der Albtraum wieder:

„Hilfe, mein Pferd schubbert sich, da hat es garantiert Sommerekzem“

Heutzutage ist es leider ein weit verbreitetes Phänomen, dass wenn das Pferd sich kratzt, dieses erstmal mit einer Ekzemerdecke komplett eingepackt wird, ohne nach dem wirklichen Auslöser zu forschen.

In Maßen ist ein Kratzen vollkommen normal, jedes Pferd juckt es mal, gerade nach der Arbeit wegen des Schweißes, wenn Regen auf der Haut trocknet, durch den Fellwechsel oder auch mal nach einem Stich.

Interessant ist, dass der Auslöser für ein exzessives Scheuern an Schweif und/oder Mähne meist ganz woanders zu finden ist, als an Schweif oder Mähne selbst.

Wie finde ich die Ursache?

Zuerst sollte man kontrollieren, ob die entsprechende Region des Scheuerns nur gereizt oder generell stark angeschwollen ist.

Eins immer vornweg: Die Hygiene
Egal was das übermäßige Scheuern auslöst, gründliches Putzen und (bei passender Umgebung) Waschen des Pferdes hilft oftmals schon wie ein Wunder. Generell sollte AUCH das Säubern der After- und Schweifregion zur tagtäglichen Putzroutine mit dazu gehören.
Während der Rosse bei Stuten oder wenn dein Pferd unter Kotwasser leidet, ist das Säubern entsprechender Regionen umso wichtiger, denn das Verkleben führt zu einem Juckreiz. Es gibt inzwischen sehr viele spezielle Shampoos für die intimere Pflege.

Mein Tipp: Schweifspray hilft, die frisch gewaschenen Beine länger sauber zu halten.

 

 

 

P. S.:
Irritationen am Euter bzw. Schlauch können ebenso dazu führen, dass sich das Pferd den Schweif exzessiv scheuert. Deswegen sollte auch hier regelmäßig kontrolliert und sauber gehalten werden. Je öfter du das machst bzw. erst einmal übst, desto eher lässt dein Pferd sich das gefallen und genießt die Reinigung dann auch.

Hautinfektionen

Parasiten

Ein Wurmbefall mit Pfriemenschwänzen löst einen immensen Juckreiz aus (hier wird vor allem der Schweif blutig gescheuert). Diese befallen den Dickdarm und legen ihre Eier in der Afterregion ab. Um herauszufinden ob das Pferd betroffen ist, reicht ein regulärer Wurmtest leider nicht, weil diese Wurmart nur sehr selten im Kot enthalten ist. Hierfür ist ein Test in Form von Klebestreifen oder Hautabschabung notwendig, zudem sind die Eipakete am Anus des Pferdes meistens gut sichtbar.

Behandlung: Die Wahl und Dosierung des Medikaments sollten vom Tierarzt getroffen werden! Zudem muss der Anus regelmäßig gewaschen werden und der Stall mehrmals gründlich gereinigt werden.

Läuse oder auch Haarlinge können zu ebenso starkem Juckreiz führen. Am häufigsten kommen diese in den Winter- und Frühlingsmonaten vor, da das Fell dann besonders dicht und lang ist, die Pferde gerne enger zusammenstehen und es den Läusen somit einfacher machen. Die Diagnose kann sehr einfach gestellt werden, indem man beim Putzen nach den Nissen (Lauseiern) sucht und diese auskämmt.


Behandlung: Hier helfen Insektizide und synthetische Pyrethroide (beides mit Absprache des TA zu bekommen). Auch müssen der Stall und sämtliches Zubehör einmal gründlich gereinigt werden.

Das Pferd hat Hautirritationen, Schuppen im Fell und kleine Verkrustungen, all dies löst einen starken Juckreiz aus. Hierfür können verschiedene Milbenarten verantwortlich sein, die die sogenannte Räude auslösen. Genauso wie bei den Läusen lassen sich die krabbelnden Biester beim genaueren Hinsehen im Fell entdecken. Daneben kann auch die Untersuchung einer Hautabschabung Aufschluss geben.

Behandlung: Hier helfen Antiparasitika (auch hier bitte wieder nur mit Absprache des TA). Es gibt Pasten zum Füttern, Mittel für Ganzkörper-Waschungen, Sprays oder auch Salben.

Mauke oder auch Raspe

So seltsam es auch klingen mag, juckt es in der Fessel bzw. am Bein, scheuern sich Pferde ebenso oftmals am Schweif und Mähne. Grundlegend kommen die schorfigen Krusten durch eine bakterielle Infektion der Haut und diese kann die verschiedensten Ursachen haben. Auch hier hilft eine gründliche Hygiene erst einmal am besten zusammen mit entsprechender Fütterung (Immunsystem stärken und Zink/Selen als Mineral), zudem ist eine Behandlung ohne großzügiges Scheren der betroffenen Stelle oft erfolglos. Sollte man die Hauterkrankung überhaupt nicht in den Griff bekommen, bitte immer einen Tierarzt zu Rate ziehen.

Hautpilze und Bakterien sind infektiösen Hautinfektionen und treten gerne in Kombination auf. Deswegen muss man sehr darauf achten, dass sich das Pferd keine Sekundärinfektion hinzuzieht. 

Hautpilze

Der Hautpilz gehört mit zu den häufigsten Hauterkrankungen beim Pferd. An sich eine relativ ungefährliche aber sehr leicht übertragbare Erkrankung, die gerade im großen Fellwechsel (von Winter- auf Sommerfell) oftmals mit dazu gehört. Pferdedecken, die mit der Zeit muffig geworden sind oder auch besonders der Sattelgurt fördern das Klima für den Pilz. Hier jucken und nässen die betroffenen Bereiche und durch entstandenen Schorf und Krusten kratzt sich das Pferd immer weiter, weswegen sich die Haut noch zusätzlich entzündet. Ist der Juckreiz erst einmal richtig da, fangen sehr viele Pferde auch an, sich zusätzlich an Mähne sowie Schweif zu schubbern und verbreiten den Pilz immer weiter.

Behandlung: Hier braucht man Geduld, oftmals dauert es mindestens 14 Tage bis die Maßnahmen richtig anschlagen. Es gibt verschiedene Waschlotionen vom TA bzw. kann man in leichten Fällen noch zu Hausmitteln wie Obstessig greifen. Eine Fütterung von Zink unterstützt das Pferd von innen.

Allergien

Die Region des Schubberns ist stark geschwollen.

Eine deutliche Anschwellung zeigt sich in der Regel durch Wärme und „Falten“ die sich bilden, erfahrungsgemäß wird dies oftmals von einer Allergie ausgelöst.
Besonders ist, dass sich eine allergische Reaktion beim Pferd üblicherweise nicht am kompletten Körper zeigt, sondern vor allem an Schweifrübe, Mähnenkamm und Bauchnaht, sowie oftmals noch an den Ohren und der Nase.

Juckreiz bei Pferden und die verschiedenen Ursachen des Schubberns.

Futtermittelallergie

Bei einer Futtermittelallergie reagiert das Immunsystem deines Pferdes überempfindlich auf bestimmte, eigentlich ungefährliche Bestandteile des Futters. Die Allergie festzustellen ist nicht einfach, denn Hautparasiten rufen oftmals ähnliche Symptome hervor. Die Hautreaktion ist durch Juckreiz und allergische Quaddeln (Nesselausschlag) gekennzeichnet, oftmals in Verbindung mit Magen-Darm-Problemen.

Interessanterweise ist die Futtermittelallergie oder Futterunverträglichkeit eine noch recht neue Krankheit. Es wird angenommen, dass hauptsächlich Eiweiße oder auch unübliche – nun von der Industrie verwendete – Getreidearten diese auslösen.

Sommerekzem

Hier ist es nun: Das inzwischen weit bekannte Sommerekzem. Im Grunde eine Allergie auf Insektenstiche (Kriebelmücken, Gnitze und Cluex-Stechmücken) oder besser gesagt, auf deren Speichel. Typischerweise sind nordische Rassen besonders häufig betroffen, wie zum Beispiel Islandpferde, da diese genetisch bedingt einfach nicht immun gegen die Plagegeister sind.

Wenn du den Verdacht auf Sommerekzem hast, wende dich, um sicherzugehen, auf jeden Fall an deinen Tierarzt. Durch eine Blut- und Hautuntersuchung kann die Allergie diagnostiziert werden.

Eine Ekzemer-Decke und alle anderen Mittelchen, welche kommerziell vertrieben werden und inzwischen zu erhalten sind, einem Pferd zu verabrechen, das diese eigentlich gar nicht braucht, ist auch eine Qual!

Vergiftung

An eine Vergiftung denken die Wenigsten und doch tritt sie viel häufiger auf, als einem meist bewusst ist. Selbst ein ausgewachsenes Pferd achtet nicht immer auf die Warnsignale bei giftigen Pflanzen (stark bitterer Geschmack und ein spezieller Geruch) und kann diese aufgrund von Langweile, starkem Hunger oder Unerfahrenheit zu sich nehmen.

Am gefährlichsten sind die kumulierenden Gifte. Diese sammeln sich stetig an und werden vom Pferdekörper nicht mehr abgebaut. Es gibt auch Pflanzen, die ihre Toxizität im trockenen Zustand nicht verlieren oder bei denen schon der einfache „Hautkontakt“ ausreicht. Man sollte seine Weide regelmäßig kontrollieren und darauf achten, wo man sein Pferd grasen lässt.

Typische Signale einer Vergiftung

Weil das Thema Vergiftung so komplex ist, folgt bald ein ausführlicher und eigener Beitrag zu dem Thema.

Vielen Dank an unsere Autorin Susan Schächtele.

Folgt ihr gerne auf Instagram: <friesian_and_wine>.

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